
Es macht langsam Freude in meinen inneren Garten zu gehen. Wieder sitze ich auf dem Brunnenrand und nun warte ich schon auf meinen kleinen Freund, der sich "Zwergnase" nennt. Vorerst höre ich jedoch nur leise, wie ein Wispern. Heute mache ich dich mit den Bäumen, Sträuchern, Blumen bekannt. Du hast sie in deinem Garten erschaffen, doch was weißt du wirklich von ihnen?
Durch die Bäume, Sträucher, Blumen und Gräser streicht der Wind. Ein Rauschen, ein Raunen, ein Wispern und Flüstern. Sie wiegen sich hin und her. Leben ! Und es ist, als würden sie meinen kleinen Freund verstehen, und mich begrüßen. Schon hüpft er auf den Brunnenrand, ich drehe mich zu ihm hin. Wir schauen uns in die Augen. Heute ist er ernst, bedächtiger auch in seinen Bewegungen. Schau, sagt er mit einer einladenden Handbewegung, schau dich um, schau in die Runde, überall unsere Mutter, die Erde. Und du, er sieht mir wieder eindringlich in die Augen, bist ein Teil von ihr. Du bist hierher gekommen, um all das wahr zu nehmen. Gib davon weiter an andere. Öffne dich weiter deiner Quelle, lasse sie durch dich hindurchfließen.
Er umarmt mich, drückt mir einen kleinen Kuss auf die Wange und verschwindet, weg ist er.

Plötzlich klopft es ...
Es war spät am Abend, fast schon Mitternacht, Zeit ins Bett zu gehen, sich vom Tag zu verabschieden. Für ein Weilchen liege ich noch auf dem Rücken, denke über den vergangenen Tag nach, drehe mich in meine Schlaflage auf den Bauch, danke für den Tag, und so zwischen noch etwas wach und noch nicht ganz im Traumreich, da klopft es an die Tür. Nanu denke ich, wer will mich denn jetzt noch besuchen? Ich sage Herein ! Bin neugierig, auch ein wenig erschreckt wegen der späten Stunde, mein Herz klopft ein bisschen stärker, hörbarer, fühlbarer. Plötzlich steht wieder mein kleines Männlein in der Türe, verbeugt sich, - durch den Kopf schießen mir die Gedanken aus dem Märchen "Rumpelstilzchen" - Guten Abend, schöne Müllerin, warum so traurig? " - Nun, ich bin nicht die schöne Müllerin und auch nicht traurig. - Da erreicht mich seine Stimme und er fragt mich: Wie war es denn heute so bei Dir ? Bist Du zufrieden mit Deinem Tag?
Geschafft was Du Dir vorgenommen hast? Gedankt für Speis' und Trank. Allen gedankt ? Deinem Schöpfer, Mutter Erde und allen anderen die Dir Gutes getan haben und für Dich da waren?
Die Gedanken schießen durch meinen Kopf wie die Pilze aus dem Erdreich und ich staune.
Er lacht. Dann fordert er mich auf: Komm spiel' mit mir. Ich: Spielen? Ja sagt er: Lass Deiner Fantasie freien Lauf. Was würdest Du jetzt gerne tun? Spontan sage ich: Gerne tun ? Ja, dann würde ich am liebsten in die Sauna gehen, liegen, Wärme genießen, träumen, oder ... wenn Du mitkommst, könnte ich Dir - oder Du mir - eine Geschichte erzählen. Ja, meint er, das ist gut, ich komme mit. Wir gehen zusammen in die Sauna, das kleine verhutzelte Zwerglein und ich.
Weit kamen wir mit dem Erzählen nicht, denn ich glitt ganz schnell ins Traumreich hinüber.

Heute Morgen gegen sieben Uhr noch nicht ganz wach, nicht mehr ganz im Traum, machte ich langsam die Augen auf.
Ich höre eine Stimme, die sagt: Wo bleibst Du nur, alle warten auf Dich. Ich denk' nanu ? Doch ich weiß es ganz genau, mein kleiner Zwerg taucht wieder auf. Er guckt mich an ? Er schüttelt seinen Kopf ? Hast Du Deinen wunderschönen Zaubergarten vergessen? Es grünt, und wächst und blüht für Dich. Und Du ? Kannst Du nicht mal wieder so richtig ruh'n? Denk' an Dich selbst, setz' Dich nicht so in Stress, das tut Dir, und uns und anderen nicht gut.
Genieße jeden Tag, Du weißt nicht mehr, wie lange. Nein nein, nun werde mal nicht bange.
Du hast noch viel zu tun auf dieser Erde.
Doch gestern Abend, Du weißt es ganz genau, da sah es gar nicht so gut für Dich aus.
Die Angst fing an, Dich in den Griff zu bekommen, doch Du warst klug und besonnen. Legtest Dich auf den Rücken: Hast eingeatmet und langsam wieder aus.
Außerdem: Du weißt, es war wieder sehr spät. Das kann so nicht weiter geh'n!
Du brauchst mehr Ruhe, vergiss es nicht. Denn auch die Sonne scheint für Dich.
Also raus an die frische Luft. Sauerstoff muss in die Lungen, der Kreislauf aktiviert, Das hilft außen und innen Dir.
Du siehst und hörst die Stimmen in der Natur. Sie raunen und flüstern, sie wiegen die Bäume. Die Blumen lächeln Dich an. Lächle zurück. Beachtung, das ist "ihr Glück".
Also komm' wenigstens ab und zu in Deinen Zaubergarten. Lass' uns alle nicht allzu lange warten.
Sonst klopft es öfter bei Dir an. Doch sag' ich dann nichts: Schau' Dich nur an. Dann weißt Du, was ich von Dir will. Es wird Zeit, nichts mehr zu tun, sondern nur noch aus zu ruh'n.
Nun wünsche ich Dir einen schönen Tag. Mach's gut ...

Ein Flüstern, ein Raunen geht durch den Garten. Ich höre es knistern, wie ein Bewegen überall: Inge ist wieder hier, wir wollen ihr ein "liebes Willkommen" zurufen. Lange bist Du nicht bei uns gewesen, wir grüßen Dich herzlich. Es ist dunkel, trotzdem ist es, als könnte ich sehen. Morgen ist Neumond. Doch die Sterne strahlen mir vom Himmelszelt entgegen.
Wie von Zauberhand steht eine neue Bank zu meinem Empfang bereit. Ich höre eine angenehme Stimme: Willkommen, Inge, setzt Dich zu mir. Ich gucke, ich staune, eine Fee sitzt dort. Sie lacht, sie strahlt mich an.
Mir verschlägt es etwas die Sprache, ich sitze ich atme, es ist kalt und ich sehe wie mein Ausatmen zu einem Hauch wird, der aufwärts steigt. Es ist, als würde sie mich mit Liebe, in Liebe einhüllen. Glücksgefühle durchpulsen mich. Nun sagt sie: Höre meine Stimme, wenn Du mal traurig bist, wenn Du Dich mal einsam fühlst, Angstgefühle in Dir hochsteigen, aber auch, wenn Du glücklich bist, um mir zu erzählen. Ich bin ständig bei Dir. Du hast hier noch viele andere, die Dir in Liebe zugetan sind. Sie werden alle kommen, wenn es an der Zeit ist. Du wirst sie spüren, sehen, sie werden zu Dir sprechen.
Der Herbst ist nun auch in meinem Garten eingezogen. Eine neue Jahreszeit hat begonnen. Ich stehe auf, gehe zum Brunnen, ich bücke mich, ich höre hinein, es ist als plätschert es ganz weit unten. Ich vermisse meinen Zwergnase. Da zieht mich etwas an meinem Ärmel: Hallo, da bin ich. Du hast mich herbei gewünscht. So schnell geht das mit dem Wünschen. Ich freue mich, dass Du Dich in den letzten Wochen so gut erholt hast, Du meistens gute Laune hattest, so fit und fleißig gewesen bist. Wir wissen auch, dass Du hin und wieder an uns gedacht hast. Doch Du bist nicht gekommen, das hat uns auch etwas traurig gemacht. Trotzdem haben wir ihn behütet, waren um Dein Wohl besorgt. Ich drücke ihn an mich, meine Fee ist verschwunden. Ich hörte noch ihr leises Lachen, als sie verschwand. Sie wusste, auf wen ich noch gewartet habe. Es wird kälter in meinem Garten, es geht auf Mitternacht zu. Ich drücke meinen kleinen Zwergnase an mein Herz, und verabschiede mich stumm.
Ich komme wieder ...
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