
Wenn die Eier gelegt sind, dann grabe ich sie vorsichtig aus und lege sie auf ein Unterteil mit Erde, damit sie nicht wegrollen können. Im Gegensatz zu Geflügel-Eiern dürfen sie auf keinen Fall gedreht werden, sie sonst absterben. Dann werden die Eier ins Haus gebracht und gekennzeichnet. Die Eier pro Gelege bekommen eine Nr. die ich mit Bleistift vorsichtig oben auf jedes Ei schreibe, damit ich später weiß, von welchem Weibchen sie sind. Die Zahl kommt genau oben drauf, damit ich immer weiß, wo bei dem Ei oben ist und ich es nicht noch ausversehen beim umpacken, drehe. Die Daten trage ich in eine Excel-Liste in meinem PC ein. Mit einer Formel errechnet diese Liste den ungefähren Schlupftermin des Geleges.

Die Brutbehälter richte ich folgendermaßen her. Ich nutze weder Feuchtbrut-Set noch Heimchenschalen mit Vermiculite.
Da sich im Unterteil des Brutbehälters Löcher befinden, lege ich den ganzen Behälter erstmal mit Folie aus. Dann kommt Seramis rein und wird mit Wasser aufgefüllt. Würde ich nur Wasser einfüllen und dieses nicht mit Seramis auffüllen, könnten zu früh geschlüpfte Baby´s aus dem Schälchen ins Wasser fallen. Durch das Seramis kann ich mehr Wasser einfüllen, bekomme mehr Luftfeuchtigkeit und die Babys können im Notfall nicht ertrinken.

Die Eier kommen mit einem Teil der Erde aus dem Bruthügel (dieser hat die passende Feuchtigkeit) in verschieden große Schalen. Teilweise nutze ich große, hohe Blumenuntersetzter, die fast die ganze Glucke ausfüllen und teilweise andere Schalen in allen Formen. Bei großen Schalen, die fast den ganzen Brutbehälter ausfüllen ist die Luftfeuchtigkeit nicht so hoch, als wenn ich mehrere kleine Schälchen nutze.
Die Schälchen grabe ich so tief es geht in das Seramis, damit ich möglichst viel Abstand zum Deckel des Brüters mit den Heizspiralen habe.
Die Eier werden ganz mit Erde bedeckt. Die Bruttemperatur liegt bei 33 Grad, damit möglichst viel Weibchen schlüpfen. Seit dem ich die Eier ganz mit Erde bedecke, habe ich kaum noch Panzeranomalien bei den Schlüpflingen, obwohl ich bei hohen Temperaturen brüte. Endweder liegt es daran, das die Wärme durch die vorhandene Erde jetzt von allen Seiten an den Schlüpfling kommt und nicht nur von den Heizspiralen direkt auf den Rücken der Tiere strahlt. (Der Rückenpanzer liegt ja oben im Ei). Oder es kommt daher, das die Tiere in der Erde weniger Störungen durch Lichteinfluß etc. haben. Da gehen die Meinungen noch auseinander, woher die Anomalien kommen. Ein verfrühter Schlupf mit viel Dotter am Schlüpfling kann auch von zu viel Lichteinfluß und Störungen kommen.
Außer (denn Ausnahmen gibt es ja immer), bei einem Weibchen habe ich die Anomalien schon ab 30 Grad. Es sind keine schlimmen Anomalien, es ist einfach nur ein Schild in der Mitte mehr oder weniger (meistens weniger). Da ich mal gelesen habe, das Tiere aus nördlicheren Gebieten eine niedrigere Scheiteltemperatur benötigen und diese bei 28 Grad liegt, bebrüte ich die Eier dieses Weibchens nur noch bei 28 Grad. Seit dem kommen auch hier keine Anomalien mehr vor. Weiterhin wurde da geschrieben, das bei diesen Tieren bei 28 Grad mehr Weibchen schlüpfen und bei höheren Temperaturen, dann wieder Männchen. Ob das wirklich stimmt, muß die Zeit zeigen, wenn bei den so bebrüteten Tieren das Geschlecht erkennbar ist.
Wenn die Erde stark austrocknet, beprühe ich sie zwischendurch vorsichtig. Das Wasser darf nicht auf einer Stelle zu den Eiern durchsickern, dann können diese platzen.

Um Störungen und zu großen Lichteinfluß zu vermeiden, prüfe ich die Eier zwischendurch nicht mehr. Sie kommen in die Erde und da bleiben sie auch. Ca. 3-5 Tage vor dem errechneten Schlupftermin lege ich die Eier erst vorsichtig von der Erde frei, damit ich sehen kann, wenn ein Tier die Ei-Schale angepickt hat und der Schlupf beginnt. Durchsichtige oder faule Eier werden aussortiert. Die Bruttemperatur senke ich jetzt auf ca. 30 Grad. Die Geschlechtsbestimmung ist schon abgeschlossen und die Eier sollen, jetzt wo sie frei liegen, nicht die große Hitze von den Heizspiralen abbekommen. Der Brüter wird jetzt abgedunkelt, damit es durch den Lichteinfluß nicht zu einem verfrühten Schlupf kommen kann.

Sobald die Eier angepickt sind, kommen sie in ein Schälchen mit feuchter Küchenrolle. Dann besprühe ich auch das Ei mit etwas Wasser, damit die Eihaut nicht zu sehr austrocknet und auf den Schlüpflingen klebt. Jetzt sind sie in einer Glucke mit ca. 28 Grad

Wenn die Baby´s geschlüpft sind, werden sie gebadet, damit sie Flüssigkeit aufnehmen können und dann mit einem Makierstift gekennzeichnet. Sie bleiben noch so lange im Brutbehälter auf feuchter Küchenrolle, bis der Bauch ganz geschlossen ist. Die Schlupfdaten werden in die Excel-Liste eingetragen,


Frisch geschlüpft

Schlüplinge verschiedener Arten/Unterarten.
Oben links eine horsfieldii. Die mit den orangen Punkten sind Thh. Die länglichen mit den dunklen Umrandungen auf den Schilden, die innen hell sind (z.B. unten rechts), das sind marginata. Die beiden gelblichen mit den Punkten/Zeichnungen innerhalb der Schilder (oben rechts und die dahinter), das sind Thb.
Also 1 horsfieldii, 5 Thh, 2 Thb, 5 marginata

Oben eine kleine Testudo horsfieldii. Das Schlupfgewicht liegt bei ca. 10-16 Gramm.
Unten dann 3 verschiedenfarbige Testudo hermanni boettgeri, die 8-16 Gramm wiegen können.
Hier bei ihrem ersten Bad wo sie ihren Flüssigkeitsbedarf ausgleichen können.

Zum Gegensatz eine Testudo hermanni hermanni. Sie sind wesentlich kleiner und dunkler gefärbt wie die boettgeri. Meistens schlüpfen sie mit ca. 8-12 Gramm.

Hier 4 Geschwistertiere aus einem Gelege von Testudo horsfieldii...

Wenn der Bauch richtig geschlossen ist, dann kommen die Kleinen in ein vorbereitetes Gehege (mit Frühbeet oder Gewächshaus) mit Gartenerde und ausgestochenen Wiesenstücken. Meistens vergraben sie sich erstmal noch ein paar Tage und tauchen dann irgendwann wieder auf um das erste Futter aufzunehmen. Manche fressen schon von Anfang an, andere erst nach ein paar Tagen.

