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Infos über die Abgabe und die Haltung der Schlüpflinge
(Nachzuchten im ersten Lebensjahr)
meiner Europäischen Landschildkröten.

Ich habe Nachzuchten von Griechischen Landschildkröten der Ostrasse (Testudo hermanni boettgeri), Griechische Landschildkröten der Westrasse (Testudo hermanni hermanni), Breitrand Schildkröten (Testudo marginata) und Vierzehen Landschildkröten oder Steppenschildkröten oder Russische Landschildkröten (Testudo horsfieldii, früher Agrionemis horsfieldii).  Alle Arten gehören zu den Europäischen Landschildkröten. Es sind Schlüpflinge aus dem jeweiligen bzw. aus dem vorherigen  Jahr. Sie wurden bei ca. 33-34 Grad bebrütet, in der Hoffnung dass bei höheren Temperaturen dann wirklich mehr Weibchen schlüpfen.  Das erkennt man aber erst in ca. 4 Jahren.

Ich gebe die Tiere nur in artgerechte Haltung. Das heißt: vernünftiges Grünfutter wie Löwenzahn, Spitzwegerich, Breitwegerich, Taubnessel und viele andere Wildkräuter. Zugabe von Calcium Carbonat,  Sepiaschalen und fein gemahlene Schalen von gekochten Eiern. Haltung im Freigehege mit beheizbarem Frühbeet oder Gewächshaus.

Viel Sonne und Wärme, entweder draußen durch direkte Sonne oder bei schlechtem Wetter und in der Übergangszeit mit künstlichen Lampen, die im Frühbeet oder Gewächshaus installiert werden, sind lebensnotwendig. Auf keinen Fall Heizmatten, Heizsteine oder Heizkabel verwenden. Also, keine Wärme von unten, die Sonne scheint ja auch von oben. Hitze von unten ist sehr schädlich für die Tiere, da der Bauchpanzer dann zu dick wächst.

Irgendwelches gekaufte Trockenfutter ist unbedingt  ganz zu vermeiden. Die Zoogeschäfte empfehlen es zwar, aber egal ob trocken oder mit Wasser eingeweicht, es ist total schädlich für die Tiere. Durch den viel zu hohen Eiweißgehalt werden Leber und Nieren stark geschädigt. Das kann dann sehr schnell zum Tod führen und man sollte bedenken, dass die Tiere bei artgerechter Haltung 80 bis über 100 Jahre alt werden können. Darum muss man sich bei der Anschaffung einer Landschildkröte darüber im Klaren sein, das man wirklich jeden Tag für Grünfutter sorgen muss oder besser gesagt, das Gehege so bepflanzen, das die Tiere viele verschiedene Wildkräuter darin finden können.

Was man auf KEINEN FALL füttern soll:  Hundefutter, Katzenfutter, Haferflocken, Nudeln, Obst, Chicoree, Sauerampfer, Spinat, Mangold,  Salat,  Kohl und Tomaten.

Alles an ungiftigen Wildkräutern kann verfüttert werden. Grünfutter bitte nicht an der Straße oder neben Feldern pflücken, da sich hier Abgase befinden bzw. die Felder immer gespritzt sind. Abbildungen geeigneter Pflanzen finden Sie unter www.pflanzenbestimmung.de und www.schildifutter.de oder auch bei    www.schroete.de  Eine Liste mit Futterpflanzen finden Sie auch hier.

Samen für Pflanzenmischungen direkt für Schildkröten kann man z.B. bei  www.Samenkiste.de  bestellen. Ebenso gibt es da für futterarme Zeiten getrocknete Kräuter und Agrobs zu kaufen. Hier unter www.schildkroetenshop.de  gibt es auch Agrobs und vieles an Zubehör zu kaufen.

Getrocknete Kräuter kann man sich aber im Sommer auch selbst machen. Wenn man Grünzeug sucht als Futter, sucht man täglich etwas mehr und trocknet es für den Winter bzw. die Übergangszeit. Aufbewahren kann man die getrockneten Kräuter gut in einem alten Kopfkissenbezug, weil sie da nicht schimmeln. Weitere gute Infoseiten finden Sie auf meiner Linkliste.

Die optimale Haltung ist von Anfang an im beheizbarem Frühbeet oder Gewächshaus mit anschließendem Freigehege. Sollte es in der Übergangszeit gar nicht ohne Innenhaltung gehen, dann sollte das Innengehege oben immer offen sein, also kein richtiges geschlossenes Terrarium wie für andere Echsen. Es sollte auch kein Behälter aus Glas sein. Man kann sich auch gut selbst etwas bauen. Zum Beispiel aus wasserfestem Speerholz und dichtet die Fugen mit Aquarien-Silikon ab oder aus normalem Holz und schlägt es mit Teichfolie aus. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Manche Leute holen sich auch von Ikea einen Unterbett-Schubkasten und tackern ihn mit Folie aus. Ich halte die Schlüpflinge vom Vorjahr nach der Winterstarre, bis sie nach draußen ins Gewächshaus können, in einem ca. 2,5 qm großen selbstgebauten Innengehege. Ist einfach zu bauen, man macht nur einen Holzrahmen (z.B. Restholz von einer alten Vitrine) und tackert diesen Rahmen mit Teichfolie, oder so wie ich mit Plastik-Tischdecke (Meterware) für Gartentische, aus. Hauptsache Wasserfest.

Für 1-2 Tiere  geht auch ein kleineres Becken/Innengehege, aber 1m x 50 cm Grundfläche für Schlüpflinge wäre schon das Mindeste. Es gilt natürlich immer, je größer, umso besser.  Wenn es doch unbedingt ein Behälter aus Glas sein soll, dann muss man das Becken in Krötenhöhe abkleben. Denn wo die Tiere durchsehen können, da versuchen sie immer durchzukommen und rennen den ganzen Tag an der Scheibe entlang.

Als Bodengrund hat sich am besten ganz normale, ungedüngte Erde aus dem Garten bewährt. Auf die Gartenerde kann man ausgestochene Grünplatten pflanzen mit Löwenzahn, Breitwegerich, Malven, Taubnesseln, Klee etc. Auch dicke Spitzwegerich-Büschel kann man gut einpflanzen. Die Tiere können sich dann ihr Futter selbst suchen und von den Pflanzen direkt abbeißen. Das ist besser als wenn sie alles vorgelegt bekommen. Dazu gesuchtes Futter auch immer im Gehege an verschiedenen Stellen verteilen, damit sie suchen müssen. Bitte nicht auf bestimmten Futterplätzen oder sogar in Näpfen füttern. Immer bedenken, es sind Wildtiere und keine Haustiere. Schildkröten sind Weidegänger. Sie laufen den ganzen Tag und suchen ihr Futter. Sie fressen überall etwas ab, nie eine ganze Pflanze. Es sei denn, es ist nichts anderes da. Daher ernähren sie sich auch sehr abwechslungsreich.

Die Schlüpflinge brauchen noch viel Feuchtigkeit. Deshalb immer trockene und feuchtere Stellen bieten. Täglich Tiere und Erde im Terra bzw. Frühbeet/Gewächshaus übersprühen. Feuchtes Spagnum-Moos in den Schlafhöhlen verteilen. Vor allem bei der Innenhaltung kann es erforderlich werden, die Tiere in lauwarmen Wasser zu baden oder beim besprühen in die Wasserschale zu stellen, wenn sie nicht selbst rein gehen.

Ein Lichtstrahler (besser noch Halogen) mit 50 bis 75 Watt, sollte so angebracht sein, das darunter eine Temperatur von ca. 38-40 Grad entsteht. Schildkröten sind wechselwarm und können nur leben, wenn sie sich immer aufwärmen können. Der Rest des Innengeheges sollte Zimmertemperatur haben. Es sollte an einem Südfenster stehen, aber es muss auch immer Schatten da sein. Wenn die Tiere auf 40 Grad aufheizen und können der Hitze nicht ausweichen, bekommen sie einen Herzschlag. Je Jünger, um so empfindlicher.

Außerdem braucht man bei schlechterem Wetter ein UV-Licht. Eine Osram Vitalux 300 ist sehr gut. Hat 300 Watt und sollte bei schlechtem Wetter alle 2 Tage, angefangen mit 2-3 Minuten, ganz langsam gesteigert, später nach einigen Wochen bis maximal 15 Minuten täglich angeschaltet sein. Wichtig ist, dass die Lampe einen Meter über den Tieren hängt. Für trübe Tage und vor allem im Herbst sollte man sich eine HQI- Lampe anschaffen oder wenigstens eine HQL-Lampe. Dieses Licht ist sehr hell und hält die Tiere im Herbst davon ab, sich zu früh einzuwintern. Lampen-Beschreibungen s. Link-Liste unter www.schroete.de 

Trotz allem künstlichen Licht und UV im Frühbeet oder Gewächshaus, brauchen die Tiere natürlich so viel richtige Sonne wie möglich. Diese bekommen sie draußen in einem festen Auslauf.  Der Auslauf sollte direkt an das Frühbeet oder Gewächshaus grenzen, damit sie selbst entscheiden können, wo sie hin wollen.  Die Größe für Schlüpflinge im ersten Jahr  sollte ca.  1x1 Meter betragen, damit man sie auch noch wieder findet.  Einjährige ca. 2-3 qm und später in einigen Jahren sollte das Gehege immer etwas größer werden. Bis die Schildkröten ausgewachsen sind sollten es ca. 15-20 qm sein, bzw. je größer umso besser.

Die Umrandung vom Freigehege muss am Boden gut abschließen bzw. sollte etwas tiefer in die Erde gehen, damit die Tiere nicht drunter her kommen und Mäuse, Ratten, Marder sich nicht drunter her graben können.  Bis die Kröten 500 Gramm wiegen sollte immer Draht oder ein Netz (Vogel -oder Teichnetz) drüber gespannt sein (wegen Elstern, Krähen etc.). Wenn Hunde oder Katzen dran kommen können, immer ein festes Gehege mit Draht oder bei größeren Hunden ein richtiger Zaun. Wobei Katzen meistens weniger gefährlich sind, aber oft das Gehege als Katzentoilette benutzen. Auch der netteste Hund kann ich Sachen Schildkröte sehr gefährlich werden. Ich habe schon einige meiner Abgabetiere wieder sehen müssen, die sehr schlimm zugerichtet waren. Einige überlebten es auch gar nicht.

Im Frühbeet oder Gewächshaus sollte die Temperatur nachts nicht unter 12 Grad (bei Schlüpflinge nicht  unter 14 Grad) fallen.  Man kann einen Thermotimer auf 14 Grad einstellen und dann mit Elstein-Strahler (das sind Keramikstrahler, die geben kein Licht sondern nur Wärme ab) zuheizen. Tagsüber bei schlechtem Wetter wie beim beschriebenen Innengehege, eine Stelle mit Vorzugstemperatur von 38-40 Grad aber mit hellem Licht (kein Infrarotstrahler), im Rest des Frühbeets auch kühlere Stellen, damit eine Überhitzung ausgeschlossen werden kann. Genauso muss bei Sonnenbestrahlung  durch einen automatischen Fensterheber eine Überhitzung ausgeschlossen werden. Falls sonst mal vergessen wird, morgens das Frühbeet zu öffnen, geht mit dem Fensterheber der Deckel hoch und die Tiere können nicht überhitzen.  Gute Frühbeete mit Alltop-Platten (gut weil sie UV-durchlässig sind) gibt es bei www.Samenkiste.de  oder bei www.schildkroetenshop.de oder direkt bei Firma Beckmann www.beckmann-kg.de , dann unter Suchfunktion Schildkröten und Alltop eingeben. Oder bei www.goermann.com  Es gibt welche direkt mit eingebauter Tür oder mit einem extra Unterbau mit Tür. Man kann sich aber auch selbst was bauen und den Deckel aus Alltop machen. Einzelplatten gibt´s bei Obi oder bei Firma Wolff nachfragen, wo der nächste Händler ist. Manchmal auch als Meterware bei Ebay. Weiter Frühbeet-Vorschläge finden Sie unter - Andere Gehege - .

Man kann auch ein Gewächshaus mit Doppelstegplatten kaufen (nicht unter 6mm, besser sogar 10 mm wegen der Isolierung) und dann eine Platte (möglichst Richtung Süden) gegen Alltop austauschen. Komplett Alltop wäre das Optimale, aber das kann man kaum bezahlen.

Zu den Papieren: Testudo hermanni hermanni, Testudo hermanni boettgeri und Testudo marginata brauchen eine (gelbe) EU-Bescheinigung (früher, vor 1997, blaue Cites-Bescheinigung)  seit 2000 benötigen alle eine aktuelle Fotodokumentation die auch weiterhin bei Veränderung des Tieres erneuert bzw. dazu gefügt werden muss. Wenigstens um sie zu den Papieren dazu zu legen und vor allem um später nachvollziehen zu können, das es sich um dieses Tier handelt.  Testudo horsfieldii (ab 1997 geb.) brauchen nur eine Bescheinigung des Züchters. Alle älteren Tiere benötigen weiterhin die blaue Cites-Bescheinigung, jedoch keine Fotodokumentation. Ich fotografiere trotzdem alle meine Tiere schon aus dem Grund damit ich bei Abhanden kommen des Tieres immer beweisen kann, das es sich um mein Tier handelt. Alle Papiere für die Schlüpflinge habe ich bereits beantragt und schon vom Kreis erhalten, bzw. bei den Vierzehen selbst ausgestellt. Alle Papiere sind also im Preis inbegriffen und Sie bekommen alles komplett von mir, auch die bereits ausgefüllte Anmeldung für Ihren Landkreis.








































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