SC Aue- Buben 92 Kassel

 

Die Geschichte des Skatspiels

Skat. Wer denkt da nicht an alte Zeiten, an verräucherte Kneipen, in denen besoffene Zocker im Bierdunst und unter Dämmerlicht versuchen, die abgewetzten Platten der massiven Holztische mit der Faust zu zertrümmern, dabei eine Spielkarte zwischen Daumen und Zeigefinger. Das sind leider die Assoziationen, die sich bei vielen Mitmenschen festgesetzt haben. Dass dieses ehrwürdige Spiel eine Menge mehr zu bieten hat, bleibt den meisten verborgen, eben da man sich, abgeschreckt durch Vorurteile, davon fernhält.

Skat ist seit fast 200 Jahren Deutschlands nationales Kartenspiel. In der Tat ist Skat ein nationales Institution. Obwohl vergleichbar mit Bridge in Tiefe und Vielfalt, ist es im Grunde ein Spiel ohne Klassenunterschied, das mit Begeisterung daheim oder in der Gastwirtschaft, im Zug, im Bundestag usw. gespielt wird. Es wird ernsthaft in Klubs und auf jährlichen nationalen Turnieren unter der Schirmherrschaft des Deutschen Skatverbands (DSkV) in tausenden von Lokalen und Bundesliga-Skatklubs gespielt. Weltweit werden Turniere von den der International Skat Players Association (ISPA World) angehörenden Verbänden in Argentinien, Australien, den Bahamas, Belgien, Bermuda, Brasilien, Chile, Dänemark, Frankreich, Kanada, den Niederlanden, Deutschland, Namibia, Österreich, Paraguay, Polen, der Schweiz, Spanien, Südafrika, Thailand und den USA organisiert und ausgetragen.

Das Skatspiel ist Anfang des 19. Jahrhunderts in der Stadt Altenburg in Thüringen entstanden. Von allen Geschichten und Anekdoten, die sich um den Ursprung des Skatspiels ranken, ist wohl die vom Skatforscher Stein erwähnte die glaubwürdigste. Hiernach hat ein Altenburger Kutscher, der viel in benachbarte Länder fuhr, aus dem sächsisch-böhmischen Erzgebirge das dort beheimatete Schafkopf mitgebracht. Von ihm hat ein Mitglied der „Brommeschen Tarockgesellschaft“ diesen wendischen Schafkopf gelernt, und seitdem wurde er des Öfteren in Altenburg gespielt.

In den Jahren 1810-1817 entstand aus diesem Schafkopf, dem L’hombre, dem Solo und Tarock das Skatspiel. Der Name Skat ist viel älter als das Skatspiel selbst. Schon im italienischen Tarockspiel werden die beiseite gelegten Karten als Skat bezeichnet, was auch der sprachlichen Bedeutung im Italienischen entspricht: scartare = weglegen.

Zum ersten Mal wird das Skatspiel 1818 in den „Osterländischen Blättern“ erwähnt, die von Friedrich Ferdinand Hempel in Altenburg herausgegeben wurden. Er hat mit einigen Freunden, dem Medizinalrat Dr. med. Schuderoff, dem Lexikonverleger Brockhaus und dem Ratskopisten Neefe, um nur die bekanntesten zu nennen, das Skatspiel allmählich entwickelt. Carl Neefe führte 1817 die Spitzen- oder Matadorenrechnung ein und schuf damit die Grundlage für das beim Skatspiel typische Reizen.

Da man es zu dritt spielte, blieben von den 32 Schafkopfspielkarten zwei Karten übrig, die der Kartengeber als elftes und zwölftes Blatt erhielt. Er wurde damit immer Alleinspieler, ohne Rücksicht darauf, ob er seinen Karten nach Gewinnchancen hatte oder nicht. Auch die Wahl der Trumpffarbe lag nicht in seinem Ermessen, denn am Anfang der Entwicklung des Skatspiels waren zwar die Buben ständige Trumpfkarten, man kannte aber auch eine ständige Trumpffarbe, und zwar Karo. Als einzige Vergünstigung konnte der Kartengeber als Alleinspieler zwei Karten, die ihm nicht in sein Spiel passten, als Skat weglegen. Später wurde die Trumpffarbe nach der Karte, die nach dem Abheben als unterste lag, bestimmt. So bekam der Kartengeber, der ja Alleinspieler war, zumindest eine Trumpfkarte in die Hand. Da bei dieser Festlegung der Alleinspieler die meisten Spiele verlor, ging man dazu über, es dem Spieler selbst zu überlassen, ob er Alleinspieler sein wollte oder nicht. Das führte zwangsläufig dazu, die überzähligen zwei Karten schon beim Kartengeben beiseite zu legen, um sie dem Alleinspieler zu überlassen, der selbstverständlich wieder zwei unpassende Karten „drücken“ musste. Trumpffarbe wurde jetzt die unterste Skatkarte. Die Frage an die Spieler, ob sie das Spiel machen wollten, wurde in der Reihenfolge Vorhand, Mittelhand, Hinterhand gestellt. Die Regeln wurden im Laufe der Jahre immer wieder verfeinert und erweitert. Aus Spielerfahrungen gab es Impulse zur weiteren Entwicklung bis zu der heutigen Form.

Bald fand das neue Spiel weite Verbreitung im ganzen deutschen Sprachraum aber besonders in den Vereinigten Staaten. Deutsche Auswanderer verbreiteten das Spiel weltweit und gewannen viele Konvertierte. In amerikanischen Büchern über Kartenspiele schreibt man, dass Skat das wissenschaftlichste Spiel aller Spiele ist. Bemerkenswert: Der U.S. Skatverband wurde ein Jahr vor dem Deutschen Skatverband (DSkV) gegründet!

Das Skatspiel ist ein fesselnder Denksport mit unzähligen Kombinationen und Möglichkeiten für drei oder mehr Personen, das mit 32 Karten gespielt, von dem Reaktions- und Kombinationsvermögen verlangt wird. Das Einzelspiel wird von einem Alleinspieler und zwei Gegenspielern bestritten. Wer in einem Spiel Alleinspieler ist, entscheidet sich nach Austeilen der Karten, wenn jeder Spieler darum „reizt“, das Spiel (und den Skat) zu erhalten.

Das Skatspiel kann auch als interessante Freizeitbeschäftigung oder zur Erholung oder Förderung des Denkvermögens betrieben werden. Beim aktiven Spiel können vielfältige Kontakte geknüpft werden. Skat hat somit auch eine wichtige soziale Funktion. Soziale und sonstige Unterschiede haben dort keinerlei Bedeutung, dies ist sogar ausdrücklich in den Regeln festgeschrieben. Besonders der organisierte Skat bietet vielfältige Möglichkeiten, Freundschaften zu knüpfen und zu erhalten. Man kann ehrenamtliche Funktionen ausüben und auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung Ablenkung vom schweren Alltag und neuen Halt in schwierigen Lebenslagen finden.

Wer das Spiel erlernen möchte, sollte dies möglichst bei einem Verein tun.

Wer guter Skatspieler werden will, sollte regelmäßig spielen und an offiziellen Turnieren teilnehmen, denn Erfahrung ist im Skat wohl die wichtigste Komponente. Man sollte auch über ein gewisses Maß an Intelligenz, Spielwitz, Konzentration und Geduld verfügen, um ganz nach vorne zu stoßen, denn Skat ist wohl eine der schwersten Denksportarten, die es gibt!

Auf dem 3. Deutschen Skatkongreß 1899 in Halle (Saale) wurde der Deutsche Skatverband (DSkV) gegründet. Als internationales Gegenstück dazu entstand Mitte der siebziger Jahre in Paris die International Skat Players Association (ISPA World). Die deutsche Regionalsektion ISPA Germany konkurrierte zunächst mit dem DSkV. Seit Ende der neunziger Jahre gab es dann Kontakte der Spitzenfunktionäre. Man einigte sich auf eine einheitliche Skatordnung, lud sich gegenseitig ein, und hält gemeinsame Turniere ab. Doppelte Mitgliedschaft ist ebenfalls jetzt zugelassen.

Die alten Regeln wurden überarbeitet und vereinheitlicht und am 1. Januar 1999 wurde die neue Internationale Skatordnung (ISkO) [PDF; 282KB] vom Deutschen Skatverband (DSkV) und ISPA World eingeführt.

Wer Skat lernen oder verbessern will, schließt sich am besten einem Skatklub an.

 

 



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